Physiologie
Was bei einer Stressreaktion messbar wird
Wenn eine Situation als belastend oder gefährlich bewertet wird, aktiviert das autonome Nervensystem körperliche Ressourcen. Herzfrequenz und Atemfrequenz können steigen, die Schweissdrüsen werden aktiver, Muskeln spannen sich an und die Durchblutung der Haut kann sich verändern.
Nach einer begrenzten Belastung folgt normalerweise eine Erholungsphase. Die gemessenen Signale bewegen sich wieder in Richtung des Ausgangsniveaus. Wie stark sie reagieren und wie rasch sie sich erholen, unterscheidet sich von Person zu Person und von Situation zu Situation.
Ein psychophysiologisches Stressprofil zeichnet mehrere Signale gleichzeitig auf. So entsteht ein zeitlicher Verlauf, in dem Aktivierung, Reaktion auf Aufgaben und anschliessende Erholung miteinander verglichen werden können.
Ablauf
Wie ein Stressprofil erhoben wird
Die Messung folgt einer strukturierten Abfolge. Ruhephasen wechseln sich mit kurzen Aufgaben und Erholungsphasen ab.
1. Ausgangswert
Zu Beginn werden die ausgewählten Signale in einer Ruhephase aufgezeichnet. Dieser Abschnitt dient als Vergleichspunkt für die folgenden Aufgaben.
2. Aufgaben
Kognitive oder emotional belastende Aufgaben lösen eine zeitlich begrenzte Aktivierung aus. Die Kurven zeigen, welche Signale reagieren und wie deutlich die Veränderung ausfällt.
3. Erholung
Nach jeder Aufgabe folgt eine Ruhephase. Dabei wird beobachtet, ob und wie schnell sich die Signale dem Ausgangsniveau annähern.
4. Gemeinsame Auswertung
Die Fachperson bespricht den Verlauf zusammen mit der Anamnese, den Beschwerden und der konkreten Situation. Daraus können geeignete Biofeedback-Übungen abgeleitet werden.
Messkanäle
Was die einzelnen Signale beschreiben
Atmung
Unter Aktivierung kann die Atmung schneller und flacher werden. Im Profil werden Atemfrequenz und Atemmuster über Aufgabe und Erholung hinweg beobachtet.
Herzfrequenz und HRV
Die Herzfrequenz kann unter Belastung steigen. Die HRV beschreibt die zeitlichen Unterschiede zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen und wird gemeinsam mit der Atmung betrachtet.
Hautleitfähigkeit
Die Leitfähigkeit der Haut verändert sich mit der Aktivität der Schweissdrüsen. Das Signal reagiert schnell auf körperliche, kognitive und emotionale Aktivierung.
Periphere Temperatur
Die Temperatur an Händen oder Fingern bildet Veränderungen der Hautdurchblutung ab. Sie wird gemeinsam mit den übrigen Signalen im zeitlichen Verlauf betrachtet.
Muskelaktivität, EMG
Das EMG erfasst die elektrische Aktivität eines Muskels. Im Stressprofil können zum Beispiel Schulter-, Stirn- oder Kiefermuskulatur beobachtet werden.
Biofeedback
Wie die Messung die Übungen unterstützt
Das Stressprofil zeigt, welche Signale in der untersuchten Situation besonders deutlich reagieren oder sich nur langsam erholen. Auf dieser Grundlage kann die Fachperson einen geeigneten Messkanal für die Biofeedback-Sitzungen auswählen.
Während der Übungen verändert sich die visuelle oder akustische Rückmeldung mit dem Signal. Die Person probiert eine konkrete Strategie aus, etwa eine Atemübung, und sieht unmittelbar, ob sich die gemessene Reaktion verändert.
Mehrere kurze Durchgänge helfen, die Reaktion wiederzuerkennen und eine passende Vorgehensweise zu wiederholen. Verlaufsmessungen zeigen, wie sich das Muster über mehrere Sitzungen entwickelt.
- Welches Signal reagiert während einer Aufgabe zuerst oder besonders deutlich?
- Wie verändert sich das Muster, wenn die Aufgabe beendet ist?
- Welche Übung führt zu einer beobachtbaren Veränderung im gewählten Signal?