Das Grundprinzip

Körpersignale in Echtzeit beobachten

Atmung, Herzaktivität, Hautleitfähigkeit, Hauttemperatur und Muskelspannung verändern sich fortlaufend. Viele dieser Vorgänge werden vom autonomen Nervensystem gesteuert und laufen weitgehend unbewusst ab.

Beim Biofeedback erfassen Sensoren ein ausgewähltes Signal. Eine Anzeige, ein Ton oder eine andere Rückmeldung verändert sich mit dem Messwert. So lässt sich während einer Sitzung beobachten, wie der Körper auf eine Aufgabe, einen Gedanken, eine Bewegung oder eine Übung reagiert.

Die direkte Rückmeldung verbindet eine innere Reaktion mit einer sichtbaren Kurve oder einem hörbaren Signal. Die Person kann verschiedene Strategien ausprobieren und unmittelbar erkennen, welche Veränderung im gemessenen Signal auftritt.

In der Praxis

Wie eine Biofeedback-Sitzung aufgebaut ist

Die Auswahl der Messung richtet sich nach dem Anliegen, der Anamnese und dem Ziel der Behandlung.

1. Anliegen klären

Die Fachperson bespricht Beschwerden, Situationen und vorhandene Befunde. Daraus ergibt sich, welche Signale für die weitere Beobachtung relevant sind.

2. Ausgangslage messen

Die Sensoren zeichnen die ausgewählten Signale in Ruhe und, je nach Fragestellung, während einer Aufgabe auf. Die Messung zeigt den Verlauf in dieser konkreten Situation.

3. Mit Rückmeldung üben

Während Atem-, Entspannungs- oder Aktivierungsübungen verändert sich die Rückmeldung mit dem Signal. So wird erkennbar, welche Vorgehensweise zur Person und zum Ziel passt.

4. Verlauf prüfen

Messungen aus mehreren Sitzungen können verglichen und die Übungen angepasst werden. Mit der Zeit werden geeignete Strategien auch ohne Gerät im Alltag angewendet.

Messkanäle

Welche Signale können erfasst werden?

Atmung

Atemfrequenz und Atemmuster verändern sich bei Aktivierung, Anstrengung und Erholung. Die Atmung lässt sich deshalb gut mit anderen Signalen zusammen betrachten.

Herzaktivität und HRV

Die Herzfrequenz und die Abstände zwischen den Herzschlägen verändern sich mit Atmung, Belastung und Erholung. Die Variabilität dieser Abstände wird als Herzratenvariabilität, kurz HRV, bezeichnet.

Hautleitfähigkeit

Die Aktivität der Schweissdrüsen beeinflusst die elektrische Leitfähigkeit der Haut. Das Signal reagiert rasch auf körperliche und emotionale Aktivierung.

Periphere Temperatur

Die Temperatur an Händen oder Fingern verändert sich mit der Durchblutung der Haut. Sie kann zusammen mit anderen Messungen Hinweise auf Aktivierung und Erholung geben.

Muskelaktivität, EMG

Die Elektromyografie erfasst die elektrische Aktivität eines Muskels. Häufig wird die Muskulatur an Schultern, Stirn oder Kiefer gemessen.

Einordnung

Biofeedback, Neurofeedback und fachliche Begleitung

Neurofeedback wendet das Rückmeldungsprinzip auf ausgewählte Signale der Gehirnaktivität an. Biofeedback arbeitet mit Körpersignalen wie Atmung, Herzaktivität, Hautleitfähigkeit, Temperatur oder Muskelspannung. Je nach Fragestellung können die Verfahren einzeln oder in Kombination eingesetzt werden.

Eine Messung wird erst durch die Auswahl des passenden Signals und die Einordnung in den persönlichen Zusammenhang nützlich. Die Fachperson berücksichtigt Anamnese, Beschwerden und Situation, begleitet die Übungen, passt den Schwierigkeitsgrad an und bespricht den Verlauf.

Biofeedback ermöglicht eine unmittelbare Erfahrung physiologischer Reaktionen. Die Person beobachtet während der Sitzung, wie sich eine Reaktion verändert, und kann geeignete Strategien gezielt wiederholen.